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[FOTOS]
„Wir kamen zu Unbekannten und nehmen Abschied von
Freunden…”
Der Schüleraustausch zwischen dem Gymnasium Nr. 1 in Bi³goraj
und der Realschule am Karlsberg in Crailsheim
Die
Schüler von Gymnasium Nr. 1 nahmen am deutsch – polnischen
Schüleraustausch teil und waren schon zweimal bei der
deutschen Partnerschule – Realschule am Karlsberg. In diesem
Jahr kamen endlich zu uns die lang erwarteten Crailsheimer zu
Besuch. Mit finanzieller Unterstützung vom Deutsch –
Polnischen Jugendwerk konnten wir das Austauschprogramm
realisieren.
Am Freitag (23.09.) begrüβten unsere Schulleitung,
Deutschlehrer, Austauschschüler und Gasteltern eine 24köpfige
Gruppe aus Deutschland. Einige Begrüβungsworte unserer
Schulleiterin, eine kurze Programmbesprechung und unsere Gäste
machten sich auf den Weg nach Hause zu ihren Gastfamilien, um
sich nach der zwanzigstündigen Reise auszuruhen und zu Kräften
zu kommen. Unsere Gymnasiasten von Klassen 2 und 3 empfangen
ihre deutschen Kollegen und vier Betreuer aus Crailsheim
wohnten bei unseren Lehrern.
In den sechs Tagen Aufenthalts in Polen
realisierten die deutsche und polnische Gruppe das
Austauschprogramm zusammen. Am Samstag (24.09.) machten wir
einen Ausflug nach Zamo¶æ. Wir besichtigten dort die
Kathedrale und konnten die Jugendchöre und ein Jugendorchester
bei der Probe hören. Wir besuchten auβerdem das Uniform- und
Waffenmuseum „Arsena³“ und dann bewunderten wir die schöne
Altstadt mit dem Renaissance - Rathaus.
Am Sonntag (25.09.) waren wir in Zwierzyniec.
Im Museum Roztoczanskier Naturschutzgebietes wurde ein Film
über Roztocze (in englischer Fassung) vorgeführt. Dann
besichtigten wir die Museumausstellungen. Besonders groβes
Interesse erweckten bei unseren Gästen Exponate der polnischen
Pferdchen, ein Ameisehaufen und ein Bienenstock. Auf dem
Programm standen weiter die Wanderung in den Wäldern des
„Buchenbergs“ und der Besuch bei den Nachkommen von
Tarpanpferden. Leider diese von den deutschen Mädchen
erträumten Pferdchen konnte man nicht sehen. Sie waren
irgendwo im Wald versteckt.
Unterwegs machten wir in Guciów Halt. Wir besuchten das
Freilichtmuseum („Bauernhof Guciów“ gennant). Den deutschen
Schülern gefielen sehr die in der Scheune gesammelten
Holzinstrumente, die einst den Frauen dienten, ihre auf dem
Feld arbeitenden Männer zu Mittagessen zu rufen. Als letzte
Attraktion dieses Tages war das Lagerfeuer und das
Würstchengrillen vorgesehen.
Am Montag (26.09.) machten wir einen Ausflug nach
Le¿ajsk, wo wir die Mariä Verkündigung Basilika mit den
weltbekannten alten Renaissance–Barock– Orgeln besichtigten.
Wir fuhren dann nach £añcut weiter. Nach dem üppigen
Mittagessen faulentzten wir im Park vor dem Schloss der
Familie Potocki. Dann war eine lange Wanderung angesagt: viele
Schlosssäle, eine Orangerie und ein Kutschenmuseum. Aber das
entmutigte unsere deutschen Gäste gar nicht. Sie hatten so
viel Kraft und waren wissensgierig. Um ihren Wissendurst zu
stillen, stellten sie den Schlossführern viele Fragen.
Gemeinsame Ausflüge brachten die polnischen und
deutschen Austauschschüler näher. Die Unsicherheit und
Angstgefühle waren schnell vorbei. Von einem Tag auf dem
anderen fühlten sich die Schüler sicherer und die eventuellen
Sprachbarrieren wurden auch allmählich beseitigt. Dazu noch
das gemeinsame Abendsprogramm: gemeinsame Spaziergänge, Spaβ
im Vergnügungspark oder gemeinsames Pizzaessen integrierten
beide Gruppen schnell. Auch die polnischen und deutschen
Lehrer trafen sich privat. Diese Kontakte lieβen sie sich
besser kennen lernen und Erfahrungen tauschen, was die
künftige Zusammenarbeit ohne Zwiefel erleichtert.
Am Dienstag und am Mittwoch nahmen unsere
deutschen Gäste am Unterricht teil. Die Deutschen saβen
mit ihren polnischen Freunden in den Bänken und die deutschen
Lehrer hospitierten verschiedene Schulfächer bei unseren
Lehrern. Der Schulbesuch ermöglichte den Deutschen den Alltag
der polnischen Schule mit zu erleben und ihn mit der deutschen
Schulalltag zu vergleichen.
In einer netten Stimmung gab es am Mittwoch das
Treffen unserer Schulgemeinde mit den deutschen Gästen. Unsere
Gymnasiasten begrüβten sie ganz herzlich und spendeten den
Crailsheimern Applaus. Die Teilnehmer vom letzten
Schüleraustausch erzählten kurz vom Besuch in Crailsheim und
eine diesjährige Austauschschülerin sagte einige Worte zum
Programm in Bi³goraj. Die Rektorin der Realschule am
Karlsberg, Frau Gerlinde Litak stellte ihre Gruppe vor,
bedankte sich für den herzlichen und netten Empfang und
überreichte an unsere Schulleiterin Geschenke, u.a. einen „Freundschaftsbecher“
als Symbol der weiteren Zusammenarbeit und der Freundschaft.
Sie äuβerte einen Wunsch dabei: der Becher soll immer voll
sein.
Am Nachmittag zeigten wir den deutschen Freunden
unsere Stadt. Auf dem Rathausplatz vor den Schildern unserer
Partnerstädte wurden die Fotos zu Erinnerung gemacht. Am Abend
wurde das Integrationstreffen im Wald geplant. Beim
Lagerfeuer trafen sich unsere Gäste mit unserer Schulleitung,
unseren Lehrern und unserem Elternrat zusammen. Der
Bürgermeister von Bi³goraj, Herr Janusz Ros³an war auch dabei.
Die Grillwürstchen, unsere landestypischen Spezialitäten und
lustige Musik versetzten alle in gute Stimmung. Es wurde
gemeinsam getanzt und gesungen. Das Treffen wollte kein Ende
nehmen. Keiner wolltE nach Hause. Zum Schluss sangen die
deutschen Austauschschüler laut:
„I love Bilgoraj!“.
Am Mittwochnachmittag (28.09.) mussten wir von
unseren Gästen Abschied nehmen. Die letzten Gespräche, Danke –
Sagen, lächelnde Gesichter, Umarmungen, Eintragungen ins
Gästebuch... und die Crailsheimer machten sich auf den
Heimweg. In Lublin auf dem Bahnsteig konnten wir noch einmal „I
love Bilgoraj!“ hören. In den Zugfenstern sahen wir weiβe
Taschentücher und bei manchen Tränen im Gesicht.
Das waren unvergessliche Augenblicke, an die wir alle uns noch
lange erinnern werden. Wir hoffen, die Deutschen nahmen die
guten Erinnerungen mit nach Crailsheim.
Kein Geschichtsunterricht lässt sich so viel
Wissen aneignen und Erfahrungen sammeln, wie die direkten
Kontakte mit den Menschen. Die deutsche Gruppe kam nach Polen
ein bisschen misstrauisch und unsicher, mit verschiedenen
Stereotypen im Kopf. Diese wurden hoffentlich abgebaut. Unsere
Gäste waren insbesondere von der polnischen Gastfreundschaft
und Offenheit beeindruckt. Die Eintragung ins Gästebuch: „Wir
kamen zu Unbekannten und nehmen Abschied mit Freunden...“
bestätigt, dass sie uns, den Austauschpartnern Vertrauen
schenkten.
Der Gegenbesuch der polnischen Austauschgruppe in
Crailsheim wurde für Oktober 2006 geplant.
Ewa Smolak |